An 40 Orten im Landkreis Friesland und in der Stadt Wilhelmshaven haben am Freitagabend um 19.30 Uhr gleichzeitig Feuer gebrannt – Mahnfeuer gegen die aktuelle Wolfspolitik und für den Erhalt der Weidetierhaltung. Zu dieser europaweiten Aktion hatte der „Förderverein für die deutsche Schafhaltung“ bereits zum fünften Mal aufgerufen. „So viele Teilnehmer wie in diesem Jahr hatten wir in Friesland aber noch nie“, sagt der Kreislandvolk-Vorsitzende Lars Kaper. „Das zeigt, wie sehr das Thema den Landwirten auf den Nägeln brennt.“
Auch Jörg Even, Milchviehhalter aus Schortens und Vorstandsmitglied im Kreislandvolkverein, hatte auf seinem Betrieb in direkter Nachbarschaft zum Upjeverschen Forst ein Mahnfeuer entzündet. „Es ist schon viel zu lange über das Thema geredet worden, es wird Zeit, dass jetzt endlich auch gehandelt wird, sonst wird die Weidehaltung aus unserer Region verschwinden. Und das kann doch eigentlich keiner wollen“, macht er deutlich. Die Politik merke langsam, dass Herdenschutzmaßnahmen wie der Bau wolfsabweisender Zäune keine wirkliche Lösung seien: „Bei dem Fall in Stade, wo in einer einzigen Herde 55 Schafe gerissen wurden, ist der Wolf über den Zaun einfach drübergesprungen.“
Seit sich ein Wolfsrudel im Upjeverschen Forst angesiedelt hat, macht sich Jörg Even auch um seine Tiere sorgen. Weniger um die Milchkühe, die er notfalls nachts in den Stall holen könnte. „Gefährdet ist vor allem das Jungvieh, das den ganzen Tag über auf der Weide ist und auch von der Größe her leichte Beute für einen Wolf ist“, befürchtet er. Im vergangenen Herbst gab es in unmittelbarer Nachbarschaft eine Serie von Rissen, denen fast ausschließlich Rinder zum Opfer gefallen sind.
Der Kreislandvolkverband fordert, dass es ein echtes Bestandsmanagement mit einer festen Obergrenze der Wolfspopulation geben muss. Darüber hinaus seien viel schnellere und unbürokratischere Reaktionsmöglichkeiten bei Nutztierrissen erforderlich. Ein Herdenschutz durch mannshohe Zäune dürfe dafür nicht die Voraussetzung sein. „Der Staat muss auch die Umsetzung der Wolfsabschüsse unterstützen“, ergänzt der Landvolk-Vorsitzende Lars Kaper. „Besonders wichtig ist es, die Anonymität der beauftragten Jäger sicherzustellen und diesen auch professionelle Unterstützung anzubieten.“