Langsames Internet wird zum K.o.-Kriterium für Höfe

Ob es um die Anmeldung der neugeborenen Kälber in der staatlichen Tier-Datenbank, um die Bezahlung von Rechnungen über das Online-Banking oder um die Nutzung von moderner Stalltechnik geht – landwirtschaftliche Betriebe sind in zunehmendem Maße auf eine gute Internetverbindung angewiesen. „Die Verfügbarkeit von schnellem Internet gehört heute genauso zur Daseinsvorsorge wie der Anschluss ans Stromnetz oder die Wasserleitung. Für landwirtschaftliche Betriebe ist es langfristig ein K.o.-Kriterium, wenn sie von der Breibandversorgung abgeschnitten sind“, sagt Lars Kaper, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Friesland. Das Landvolk fordert die Landesregierung daher auf, auch weiterhin Geld für die Förderung des Ausbaus in der Fläche zur Verfügung zu stellen.

Zum Hintergrund: Bisher haben sich die jeweilige Kommune (25 Prozent), das Land (25 Prozent) und der Bund (50 Prozent) die Kosten für den Ausbau unterversorgter Gebiete mit schnellem Internet geteilt. Das Land Niedersachsen hat jetzt angekündigt, ab dem kommenden Jahr keine weiteren Fördermittel zur Verfügung zu stellen. Die entstehende Förderlücke von 25 Prozent müssten die Kommunen finanziell ausgleichen – ihr Anteil verdoppelt sich also. Wenn die Haushaltslage in den Kommunen es nicht hergibt, steht die komplette Förderung auf der Kippe; die eigentlich vorhandenen Bundesmittel könnten dann auch nicht genutzt werden.

Den ländlichen Raum würde so ein Wegfall der Landesförderung ganz besonders treffen: Aufgrund der weiten Entfernungen ist ein Ausbau des Glasfaser-Netzes auf dem Land für die Anbieter nicht wirtschaftlich, anders als in der Stadt, wo auf weniger Raum viel mehr Kunden konzentriert sind. Gerade die Versorgung der letzten zehn Prozent der Haushalte ist besonders arbeitsaufwendig und teuer und daher nur mit entsprechender staatlicher Förderung attraktiv für die Unternehmen.

Die Höfe sind aber angewiesen auf eine gute Breitbandverbindung, wie Lars Kaper an einem Beispiel deutlich macht: Sein Betrieb besteht aus zwei Standorten, die auf einen verlässlichen Technik-Einsatz mit Melkrobotern angewiesen sind. Etwa drei Gigabyte Datenvolumen werden täglich zwischen den Standorten ausgetauscht, um einen zuverlässigen Betrieb der Technik sicher zu stellen. „Es ist fast unmöglich einen Anbieter zu finden, der die Datenübertragung mit solch einem hohen Volumen über eine sichere Mobilfunkverbindung gewährleisten kann“, musste er feststellen. Der finanzielle Aufwand und die Störanfälligkeit des mobilen Systems rechtfertigten auch einen höheren Aufwand für den Glasfaser-Ausbau. Eine finanzielle Beteiligung an den Kosten ist für Lars Kaper daher vorstellbar – eine 100-prozentige private Kostenübernahme ist allerdings nicht möglich.

„Der Staat selbst bietet viele Dienstleistungen für Landwirte nur noch online an, etwa die Antragstellung bei staatlichen Förderprogrammen oder Dokumentationspflichten bei der Düngung der Felder und Wiesen“, gibt der Kollege aus dem Vorstand des Kreislandvolkverbandes Friesland Jörg Even zu bedenken. Nicht zuletzt brauchen auch die landwirtschaftlichen Familien in ihrem Alltag Zugang zum Internet – beispielsweise Ehepartner, die einer eigenen Berufstätigkeit nachgehen und vom Homeoffice aus arbeiten wollen, oder die Kinder für die Hausaufgaben-Erledigung oder den Kontakt zu Freunden. „Wer die Forderung des Grundgesetzes nach gleichwertigen Lebensverhältnissen ernst nimmt, der darf an diesem Punkt nicht lockerlassen“, lautet Jörg Evens Forderung.